Renovierungen Christuskirche zu Bochum-Gerthe

Wir richten unseren Blick auf das Jahr 2010 , den 100. Geburtstag der Christuskirche zu Bochum-Gerthe.
Bemerkenswert in ihrer äußeren und innren Gestaltung, prägt diese Kirche das Stadtbild Gerthes. Die ürsprüngliche Vielgestaltigkeit gerade auch der inneren Ausprägung der Kirche dokumentiert ein Artikel von Ulrich Althöfer aus dem Buch. Der Architekt Karl Siebold (1854 1937) Zur Geschichte des evangelischen Kirchenbaus in Westfalen, da 4.38 Gerthe(Bochum-) Christuskirche, Neubau, 1998, Lutherverlag Bielefeld.

Im Jahre 2003 befaßte sich die Kirchengemeinde Gerthe mit den Planungen und Überlegungen zum Jubiläum 2010. Es war nicht einfach nur an einen neuen Innenanstrich gedacht, um den Sakralraum wieder ansehnlich und hell erscheinen zu lassen.
Aus Dokumenten vergangener Tage der Gemeinde fanden sich u.a. auch Konfirmationsdenksprüche, die einen optischen Eindruck von der ursprünglichen Innerraumgestaltung eröffneten. Dies wurde zum Anlaß genommen, den Restaurator Franz Grunwald zu beauftragen, an verschiedenen Stellen im Innern der Christuskirche die Befundlage möglicher Dokumentationen vergangener Ausgestaltungsmerkmale freizulegen.
Erste Detailarbeiten in 2003 zeigten überwältigende Ergebnisse und brachten eine Motivfülle zutage, die alle beeindruckte.
Kontakte zu den Denkmalbehörden wurden aufgenommen und über viele Monate ein Konzept erarbeitet, wie die Ursprünglichkeit der Christuskirche mit den Veränderungen verschiedener Renovierungen der Nachkriegszeit in Einklang und Korrespondenz gebracht werden könnten.
In einzelnen Bauabschnitten wird nun bis 2010 der Innenraum der Christuskirche restauriert.

Noch im Jahre 2003 konnten die umfänglichen Malereien des Kanzel- und Taufsteinhimmel wieder restauriert werden. Sie dokumentiern eine  Farbigkeit von beeindruckender Qualität.
Im Jahr 2004 und 2005 wurden die 42 Holzbanksitzreihen von alten dunklen Farbschichten befreit, um den ursprünglichen warmen Holzton wieder herausgearbeitet zu wissen.
In den Jahren 1954/55 erfuhr die Christuskirche eine grundlegende Totalrenovierung im Innern, die den Charakter der ursprünglichen Innenraumgestaltung vollständig veränderte. Die damals Verantwortlichen beauftragten Prof. Thol mit der Neugestaltung des Sakralraumes. Dabei fielen großartige Merkmale der ursprünglichen Inneraumgestaltung einer sehr purifizierenden Umgestaltung zum Opfer.

Mit Blick auf die konzeptionellen Vereinbarungen der aktuellen Renovierungsmaßnahen werden sog. "Fenster in die Vergangenheit"  eröffnet und Befunde restauriert, um Veränderungen und auch Verletzungen zu dokumentieren, die diese Kirche in den zurückliegenden Jahrzehnten erfahren mußte.

Die Gemeinde vor Ort ist zur Zeit in einem sehr intensiven und spannenden Prozeß der Restaurationen, da die Christuskirche trotz aller Arbeiten zu Gottesdiensten, Jubiläen und Veranstaltungen durchgängig genutzt wird.

Bisher wurden ausnahmslos alle Maßnahmen aus Spendenmitteln der Gemeinde finanziert. Auch die 42 Bankreihen konnten in Patenschaften zu je 600,- € an Gruppen und Kreise aus der Gemeinde, Einzelpersonen, Familien und Geschäftsleute "vermittelt" werden. Die 42. Bankreihe hat der Vors. des Presbyteriums für das Leitungsgremium selbst reserviert.

Zur Zeit wird die Altarrückwand durch Franz Grunwald restauriert. Sie zeigt das Wandgemälde von Prof. Thol aus dem Jahre 1955, Christus als Weltenrichter in der Mandola mit 12 Apostelgestalten, thronend auf einer angedeuteten Weltkugel.
In dieses Wandgemälde, das 1955 vor die ursprüngliche Chorraumgestaltung gemauert wurde, ist ein Fenstermotiv gebrochen, das den Blick auf die umlaufenden Säulenreihe mit Triumpfbögen eröffnet. Diese 14 Säulen und Kapitelle wurden damals abgeschlagen und als Bauschutt abgefahren. Heute werden 4 davon von Franz Grunwald restauriert und in das Wandgemälde integriert. Die ursprüngliche Farbestaltung auch der original Chorraumrückwand kann von ihm wieder restauriert werden.
Vorausichtlich zum Erntedankfest 2005, am 2.10. , wird das aufgebaute Gerüst entfernt werden können, so daß die gottesdienstliche Gemeinde einen freien Blick auf den restaurierten Chorraum erhält.
Auch die Kosten für den jetzt aktuellen Bauabschnitt bestreitet die Gemeinde ausschließlich aus eigenen Spendenmitteln.

Für das Jahr 2006 ist die Freilegung und Restaurierung des Apsisbogens mit ursprünglich 15 Rosettenmotiven vorgesehen. Diese wurden in 1955 , so wie auch Kanzel-und Taufsteinhimmel, weiß übermalt und zugedeckt.
Bei der Stftung Deutsche Denkmalpflege in Bonn ist für diesen Abschnitt ein Antrag auf Mitförderung gestellt.

In 2007 wird dann die großartige und in Westfalen wohl einmalige Siebold-Rüther Wand an der Westseite der Kirche restauriert werden. Dazu liegt ein Befund von mehr als 30 m² Wandmalereien jetzt offen. Die dazugehörigen tragenden Säulen werden ebenfalls restauriert werden.

Ein umfangreiches Programm und großes Vorhaben, das die Kirchengemeinde Gerthe bis 2010 schultern wird, aber auch eine ungeheure Chance für den weitergehenden Dialog der Generationen, der künstlerischen und kulturellen Vermächtnisse mit Blick auf aktive und offene Gemeindearbeit. 
Zielperspektive ist eine sog. "Offene Kirche", die es erlaubt, nicht nur zu Gottesdiensten besucht und wahrgenommen zu werden. 
Die Gemeinde weiß sich den Müttern und Vätern des Glaubens vor Ort verpflichtet, die dieses großartige Sakralgebäude 1909/1910 erbaut haben und auch den kommenden Generationen in vielfältiger Weise zur sinnvollen Nutzung offen stehen soll.

In der jüngst erschienen Publikation von Rüdiger Jordan ,Sakrale Baukunst in Bochum, 2003, findet sich ebenfalls Text und Bilddokumentation zur Christuskirche in Gerthe.